Spiciefish
Aus Nummer 1 mach Nummer 2?

Hallöchen! Das ist mal eine Story wert. Da treff ich mich vor Kurzem mit einer guten Freundin und sie stellt mir eine der Fragen, auf die ich noch nie die richtige Antwort parat hatte. Aber jetzt mal ehrlich, jeder hat auch eine andere Meinung hierzu. Das Thema lautet: Ist flirten in einer Beziehung erlaubt und bis wohin darf man gehen? Der oder die Eine mag Konsequenzen wie Trennung in Erwägung ziehen bis hin zu Denjenigen, die sich noch über ihre Flemdflirts austauschen. Was richtig ist, liegt immer im Auge des Betrachters und das ist dann das Paar selbst. Doch wie spricht man so ein Thema an? Das ist die wahre Herausforderung. Denn meist resultiert aus einem solchen Gespräch Misstrauen und Paranoia. Es ist unmöglich ein Gedankenkreisen zu vermeiden. Meine Freundin traut sich zum Beispiel nicht ihren Freund anzusprechen, weil sie vermutet, dass er dann ein getrübtes Bild von ihr hat. Klar, dass sie das nicht beabsichtigt, aber sie möchte trotz allem mit offenen Karten spielen. Sie selbst sagt, dass sie das eigentlich nur macht, weil es ihr Spaß macht. Nicht, dass sie es als ein Hobby bezeichnen würde, aber es bringt ihr eben Unterhaltung ein. Zudem, sagt sie, kann sie ganz nebenbei auch ihren Marktwert austesten. Da kann ihr Freund ihr dann noch so oft sagen, dass sie die schönste und einzige Frau für ihn ist. Sie sucht in diesem Moment eine andere Form der Bestätigung, die sogenannte Fremdbestätigung. Und das mag keine Schablone sein, die auf jede Frau passt, aber auf eine nicht kleine Minderheit.

Kleiner Perspektivwechsel: Wie geht der Mann mit diesem Thema um? Es ist doch gelogen, wenn er sagt, dass er nie anderen Frauen hinterherschaut und niemals mit einer Kollegin geflirtet hat oder aber der Kellnerin im Restaurant etwas mehr Trinkgeld gegeben hat. Der Mann würde aber trotzdem immer vor anderen behaupten, dass er sowas niemals tut. Für ihn bedeutet es meist sofort Unglücklichsein als Verursacher für das Fremdflirten. Ein Freund meinte mal zu mir, es gibt zwei Spezies Männer, die reuevollen und die reuelosen. Erstere würden es tatsächlich ernst meinen und am liebsten vor Scham im Boden versinken, wenn eine fremde Frau sie anbaggern würde. Die würden das dann zu Hause erzählen, um ihr zu bestätigen, wie sehr sie ihnen vertrauen kann. Die anderen Kaliber wiederum graben völlig bedenkenlos auf jeder Party rum und sind zu Hause die zahmen Schafe. Arme Freundinnen!

Doch diese Erkenntnisse lösen noch lang nicht das Problem. Eine andere Freundin von mir wagte es dann, mit ihrem Freund darüber zu reden. Sie einigten sich auf ein Set aus Regeln wie weit man gehen könne, dass das Austauschen von Nummern ok wäre und dass Berührungen Tabu wäre. Nach einiger Zeit entwickelten beide dann eine solche Eifersucht, weil sie sich ständig in der Bredrouille sahen, dass doch mal ein potenzieller Wettbewerber dabei war. Bei jedem alleinigen Ausgang fingen sie an, sich zu überlegen mit wie vielen Leuten der Partner an diesem Abend wohl rumshakern würde, mit wem Nummern ausgetauscht wurden und wie sehr es der oder die andere auf den Partner abgesehen hatte. Resultat war dann, dass sie sich wieder wie jedes normale Paar verhielten, die neu aufgestellten Regeln abschafften. Die Psyche der beiden konnte sich wieder erholen und man hatte auch erst mal genug vom Fremdflirten.

Das Fazit der Geschicht, wenn du’s brauchst, behalts für dich. Es ist kein Lügen oder Betrügen, aber es könnte den anderen verletzen und Unruhe in eine harmonische Beziehung bringen. Einfach mal wieder mit dem Liebsten abends weggehen…

Summerspecial (1)

»¿Hola?« Große Verwunderung und eine deutsche Antwort später wird mir klar wo ich mich befinde. 17.Bundesland oder so? Im Volksmund Malle von Mallorca (das „ll“ wird wie ein „j“ ausgesprochen, bitte!). Eigentlich handelt es sich hierbei um eine spanische Insel im Mittelmeer. Da sich aber schon vor Jahrzehnten so viele Deutsche hier zuhause fühlten, kann man quasi von Inselbesetzung reden. Aber genug von unserer Kolonie. Viel wichtiger: Was hab ich hier eigentlich zu suchen? Wer mich ein bisschen besser kennt, weiß, dass ich partout nichts von Ballermann und deutschem Massentourismus halte. Außerdem ist das Mittelmeer nicht meine erste Wahl (lauwarmes Meerwasser ist wirklich keine Abkühlung). Wie kam es nun dazu? Nachdem noch niemand unter meinen Freunden einen Urlaub im Kalender stehen hatte, die letzten Klausuren anstanden und eine Abschlussreise notwendig war, mussten wir uns ernsthaft Gedanken machen, dass wir das schleunigst ändern. Gesagt, getan und das günstigste Pauschalangebot war gebucht. Voller Vorfreude gingen wir in unsere letzten Prüfungen unseres Lebens (hoffentlich vorerst!). Nach der ersten Feierei ging es dann auch sofort zum Flughafen und da standen wir plötzlich ohne es wirklich zu realisieren. Unser erster gemeinsamer Weibsenurlaub und noch so richtig Party-gerädert. Das kann ja heiter anfangen, aber so sollte es sein. Das hatten wir selbst so angekündigt. Ein bisschen weniger Trinkerei bei der Feierei hätte es bei dem einen oder anderen unter uns aber auch getan. Naja egal, im Flieger konnten wir unseren Rausch noch ausschlafen und etwas Schlaf nachholen. Nach eineinhalb Stunden in einem eisigen Flugzeug war allerdings finito und der Marathon durch den Flughafen nahm kein Ende. Warum müssen wir gerade die weitesten Wege bekommen. Ist da zufällig irgendeine Korrespondenz zu unserer billigen Pauschalreise. Nahe der Erschöpfung kommen wir am Hoteltransferbus an und niemand kann uns sagen, wann dieser Bus abfährt. Ja, da kommt in mir die deutsche Ungeduld hoch und ich frage mich doch ernsthaft, weshalb sich Werte wie Pünktlichkeit und Ordnung noch nicht verfestigt haben. Als es endlich losgeht, fallen wir alle in einen komatösen Schlaf, der erst durch die Buckelpiste kurz vor der Ankunft am Hotel unterbrochen wird. JUHU! Wir haben’s geschafft! Die Dame an der Rezeption ist sehr freundlich und wir dürfen sofort ins Zimmer. Das klappt doch alles ganz reibungslos. Schon ziemlich durchgeschwitzt von der unglaublichen Wärme, die uns hier packte, inspizieren wir sofort den Waschraum und betreten gewagt zum ersten Mal mit Flipflops die Dusche. Sauber ist die eine Seite, schöne eine andere und so akzeptieren wir das nüchterne und äußerst einfache Appartement, das uns ein Dach über dem Kopf, einen Platz zum Schlafen gibt und die Möglichkeit bietet, unsere Hygiene nachzugehen.

Auf, auf zum Strand! Und los geht’s zurück hinein in die Sommerhitze von Mallorca. Nach einem Schirmkauf suchen wir uns einen ausreichend großen Fleck für unsere Handtücher zwischen all den zig Menschen, die schon vor uns da waren. Gefunden! Während die ersten schon wieder schlafen, planschen die anderen schon im Wasser. Wie nötig wir diese Erholung nach drei Jahren hatten…(Fortsetzung folgt)

Alterithis

Ich habe grundsätzlich eine Apathie gegenüber alten Menschen. Zumindest meine ich, dass die Mehrzahl einfach so stocksteif ist und sich ständig nur beklagt, dass heute doch alles viel schlechter wäre. Sie verlangen selbige veraltete Denkweise von ihrer Umgebung und tun sich immer so schwer neuartige Dinge zu akzeptieren. Dabei tun sie mir auch ein bisschen Leid, dass sie in ihrer weit überholten Welt feststecken. Natürlich muss man sich als älterer Mensch nicht um 180 Grad drehen, aber wenigstens versuchen zu verstehen, wäre ein Anfang. Wie oft haben sich meine Großeltern darüber aufgeregt, dass meine Eltern nicht heiraten wollten, Paare sich viel häufiger trennen oder eine Frau kein Festmahl kochen kann. Das “Hallo!!! Wieso könnt ihrs denn nicht einfach so hinnehmen?” hat man sich dann auch mal gleich gekniffen und die Alten labern lassen.
Als ich letztens in der Bahn saß, hab ich mir aber meine Ohropax aus den Ohren gerissen und war so gerührt von dem alten Ehepaar mir gegenüber. Die waren so cool! Sie hatte voll die Hosen an und neckte ihn, mit irgendeiner Tatsache, die bestätigte, dass er weiß Gott was, ja doch nicht ohne sie schaffe. Dabei schaute er sie jungverliebt an und stimmte zu. So erfrischend und doch “alt”! Ist das eine Ausnahme, das Paar zwischen 1 Mio anderen, die so sind oder besteht da Hoffnung, dass man auch mal so endet wie die beiden anstatt zu nem alten Korinthenkacker-Paar zu werden?

Ist Angst erlaubt?

Da ist man nun endlich vollends im Erwachsenenalter angelangt und hegt doch so seine Zweifel, ob man es doch wirklich schon ist. Muss man da nicht mutig und unerschrocken - eben erwachsen sein?
Das war ich heute leider nicht, sondern leider das komplette Gegenteil. Der vorgegaukelte Mut und die Bedenkenlosigkeit wichen schlagartig blanker Ängstlichkeit. Das sieht man mitunter meiner Fassade nicht an, aber innerlich spielte sich ein Krimi in Endlosschleife ab. Ein Film mit Tatortpotenzial: Junge Frau per Mitfahrgelegenheit angelockt, entführt und so weiter. Die schweißnassen Hände konnte ich gerade so den Griff des Trollis noch halten, während sich Panik in mir ausbreitete als ich näher auf die angsteinflößenden Herren am einzigen in Frage kommenden PKW zugehe. Und kein anderes Auto steht hier in Begleitung eines Lebewesens. Und vor allem kein Q7 wie Tatjana es mir am Telefon erklärte. Dieser lausige alte Golf, dessen Kofferraumklappe weit aufsperrt und vor dem ein Trolli bereits geparkt ist, vermittelt den Eindruck von Last Minute Urlaubspleiten und die Bestätigung, dass die drei Herren auf jemanden warten. Doch auf wen? Etwa auf mich? Ich kriege, wie ich vermute, gerade die Kurve und biege nicht unbeobachtet vorher rechts ab. Was sollte ich denn sagen? “Hi! Seid ihr die Mitfahrgelegenheit?” Und was, wenn die “ja” sagen? Soll ich dann einsteigen und ne feuchte Hose riskieren oder aber sagen: “Nee, mit euch fahr ich jetzt aber nicht mit!” Letzteres würde wohl in Rennen enden und das ist mit drei Taschen schon sehr herausfordernd. Wahrscheinlich würden die ihr Klappmesser ziehen und “scheiß Deutsche” brüllen. Und dann?
Also drehe ich eine Runde um den kleinen Parkplatz, stelle nochmals fest, dass ich im Nirwana stehe und nehme meinen Platz im S-Bahneingang ein. Ich ziehe mein Handy lässig aus einer der Taschen und tue so, als ob ich jemanden anrufe auf den ich hier sehnlichst warten würde. Dabei observiere ich das Auto aus dem Blickwinkel eines Auges. Es tut sich nichts. Sie warten und warten und warten. Es ist unterdessen 21:10. Sie warten weiter und sind scheinbar bis auf Millimeterbewegungen verharrt. Ich könnte die Nummer, die mich zuvor weggedrückt hat, nochmal anrufen. Dann sollte ich ja ein Klingeln vernehmen. Ängstlich wie ich bin, lasse ich das sein und taste mich quasi rückwärts unauffällig in den Bahnhof zurück, um dieser spannungsgeladenen Situation zu entkommen. Bisher hat mich niemand von denen angerufen, was recht ungewöhnlich ist, denn die meisten Mitfahrgelegenheiten erkundigen sich bei Verspätung, ob die Person tatsächlich noch kommt. Ich bereue in diesem Moment meine Entscheidung ganz und gar nicht und bin froh, dass ich nicht so leichtsinnig bin. Denn das kann doch wohl keineswegs erwachsen sein. Und mit Mut hat meine Entscheidung, nicht in dieses Auto einzusteigen, wohl eher zu tun. Und das ist doch wieder erwachsen. Wenn also auf Angst Mut folgt, ist es also auch für einen Erwachsenen legitim, Angst zu haben. Bis die Anspannung und Aufregung jedoch endgültig wieder abklingt, vergeht allerdings noch ein Weilchen und Mitfahrgelegenheiten werde ich wohl in der Zukunft wieder häufiger hinterfragen.

Fly so high

Als ich so auf der Parkbank gegenüber dem Flughafengebäude des weiterbestehenden Flughafens Berlin Schönefeld sitze und mir die Sonne auf die Nase scheinen lasse, versinke ich in Gedanken. Dabei beobachte ich die Tafel mit den aktuellen Abflügen und den ständigen Aktualisierungen. Ich überlege mir welches Ziel wohl mein nächstes wäre, falls mich mein Abholdienst doch ausversehen vergisst und ich hier verbleibe. Natürlich hätte ich die Möglichkeit in die S-Bahn zu steigen, um in die Stadt zu fahren. Leider finde ich das viel weniger verlockend, als zu einem unbekannten Ziel zu fliegen und ein neues Mysterium zu entdecken. Als mein in die engere Auswahl gezogener Flieger laut Anzeige bereit zum take-off ist, schwindet mein Gefühl, dass ich hier heute noch abfliegen werde. Schließlich bin ich keine Stewardess oder Filmstar, für die mehrmals am Tag fliegen Alltag bedeutet. Ich drehe mich zu der Person um, die sich soeben zu mir auf die Bank gesellt hat. Ihre Absicht war aber nicht, mir Gesellschaft zu leisten, wie ich feststellte als sie meinem Niesen nicht mal ein “Gesundheit” gönnte. Vielleicht ist sie zu sehr damit beschäftigt, ihre “Haribo Tropi Fruttis” in sich hinein zu stopfen. Ihr ganzes Bild ist in sich so unstimmig, dass ich leise bete, nie als “Tropi Frutti” essende Hippiebraut ohne Schuhe auf einer Flughafenparkbank zu sitzen. In diesem Moment trifft meine Mitfahrgelegenheit ein oder fährt vielmehr an mir vorbei. Ich sprinte in einem Tempo, das meine Kondition mir fast übel nimmt, hinter dem Wagen her. Ich bin nur froh, dass irgendwann mal jemand in einen Rückspiegel schaut und mich bemerkt. Das Auto kommt zum Stehen und mein Problem der Wahl der Destination schwindet.

Wenn die Katze miaut

Mit einer guten Freundin auszugehen, ist nichts Ungewöhnliches. Mit Kolleginnen von der Arbeit tut man das allerdings weniger häufig. Worüber soll man außerhalb der Arbeit reden, unterhält man sich über private Themen? Man macht sich unentwegt Gedanken, worüber man sprechen wird und wie die Feierabsichten des Gegenübers aussehen. Schließlich ist man ja doch nicht ganz privat, sondern immer noch ein bisschen auf der Arbeit. Und da benimmt man sich für gewöhnlich anders und das aus gutem Grund.

Aber probieren geht schließlich über studieren!

Und so traf und freute ich mich neben all den Bedenken, es könnte irgendwie komisch werden, auf das Treffen. Eine positive Denkweise, die auch gleich belohnt werden soll. Denn als es soweit ist, überrascht sie mich mit einem Piccolöchen, mit dem wir auf einen tollen Abend anstoßen. Kurzer Smalltalk über die Arbeit wird durch das Eintreffen im Club abgelöst. Das Eintreten löst das Gefühl in mir aus, ich würde mich in einer Makeover-Show wiederfinden. Alle Blicke fielen auf uns und sogar die Musik lief wie in diesen Shows. Doch da kam die Erinnerung: „Aufwachen! In einem Club spielen die für gwöhnlich Musik!“ Ja, das hatte ich wohl für einen Moment verdrängt. Die viel zu hohe Hacken wieder auf den Boden gesetzt, schreiten wir weiter durch den Raum und fallen in lautes Gelächter über die dummen Gesichter einiger Männer. Vor dem Buffet machen wir zum ersten Mal halt und beladen uns einen Teller mit Köstlichkeiten, wie sie uns im Dunkeln erscheinen. Lässig an einen Tisch gelehnt, kommen die ersten zwei Herren zu uns herüber und bieten uns „nen ordentlichesch Bier“ bei sich am Tisch an. Die übrige Mannschaft in ihren reizenden Lederhosen gibt uns ebenfalls zu verstehen, dass wir mehr als erwünscht sind. Noch mit dem Kauen beschäftigt, versuche ich zu erklären, dass Multitasking nicht so mein Ding wäre. Essen und trinken, das geht ja auf gar keinen Fall, vielleicht kommen wir später mal vorbei. Die beiden wollen plötzlich nicht mehr, denn später scheint für sie keine Lösung zu sein. Also stapfen sie davon.

Als nach und nach das Buffet abgebaut wird, strömen die ersten tanzenden Gestalten auf die Fläche. Wir genehmigen uns jetzt ein Bier, auch ohne Männer. Wir sind nämlich schon alt genug und können es uns leisten. Nach einigem Beobachten der Meute und erste privaten Gesprächen folgen wir der Musik auf die Tanzfläche. Ich stelle fest, dass meine Begleitung es ebenso genießt wie ich, sich im Rhythmus zu wiegen. Nein, noch mehr. Sie schwebt wie eine Göttin über die Tanzfläche mit erhobenem Haupt, das sich in den Nacken lehnt, als warte sie auf einen Champagnerregen. Denn richtigen Regen konnte sie an diesem Ort wohl kaum erwarten. Stattdessen passiert aber etwas anderes und unterbricht sie in ihrem vergnügten Tanz. Mr. Multi-Falte drängt sich von der Seite auf. Als sie versucht ihn zu ignorieren, wird er umso penetranter und versucht sie anzutanzen. Im nächsten Moment spüre ich, wie mich ihre Hand aus der Menge zieht. Sie hat genug davon und braucht jetzt erstmal eine Kippe. Also gehen wir raus und ziehen einmal um den Block und trotzdem die frische Luft wie eine Sauerstoffkur wirkt, stelle ich fest, dass es recht kühl geworden ist. Ich lasse mir jedoch nichts anmerken, als eine Gänsehaut sich breit macht. Wir schnorren flüchtig eine Zigarette bei einem Angestellten der Jazzbar nebenan und reden über dies und das, sodass ich sogar meine Gänsehaut vergesse. Ich erfahre plötzlich sehr viele private und persönliche Dinge: Wie lang die letzte Beziehung war, wann sie scheiterte, woran und was jetzt auf dem Plan stand. Hatte ich danach gefragt? Ich glaube kaum, aber ausgeladen hatte ich solche Themen auch nicht, weil sie mich grundsätzlich interessieren. Ohne jede Resistenz von meiner Seite unterhalten wir uns plötzlich über sexuelle Erfahrungen, die sie schon gemacht hat. Ich bin wie gefesselt von ihrer unverblümten Art und denke mir, dass wir vielleicht manchmal zu prüde mit dem Thema Sexualität umgehen. Macht doch sowieso jeder Erwachsene. Warum wird diese Schublade nur immer mit einem Hochsicherheitsschloss versehen?

Als wir wieder am Club ankommen, hat sie mir bereits von ihrer These über bisexuelle Triebe, die jeder mindestens im Unterbewusstsein besitzen soll, erzählt. Ich reagiere darauf recht spartanisch und unsicher mit einem „hmm, darüber hab ich mir wohl noch nie so richtig Gedanken gemacht“. Im nächsten Moment bin ich froh, diesen intimen Geständnissen auf der Tanzfläche wieder zu entkommen. Dieselben Typen wieder um uns herum stören mich nun nicht mehr und ich tanze nur noch mit und zur Musik. Als ich meine Augen wieder öffne, sehe ich, wie sich Mr. Multi-Falte wieder an meine Begleitung oder sollte ich nun Freundin sagen, ranmacht. Kurze Zeit später springt ein Drink für uns beide heraus. Wir stoßen an und ohne, dass ich mitbekomme, worum es sich handelt, läuft mir auch schon meine schlimmste Erinnerung den Hals herunter. Als ich äußerst dringend nach einer Mundspüllösung suche, steht Mr. Misterious vor mir und ich frage mich wie er eigentlich hier herkommt. Sind in diesem Laden nicht sonst nur solche überalteten Machoprolls wie Mr. Multi-Falte? Wo kommt dieses Etwas mit dem tiefgründigen Blick her? Ich blicke mich um, als suche ich nach Hinweisen zu seiner Herkunft, aber alles was ich finde, ist meine Freundin mit irgendeinem Typen, der anscheinend zu Mr. Mysterious gehört. Ein Freund? Nein, das kann doch wohl nicht wahr sein, denk ich mir. Viel Zeit bleibt allerdings nicht und ich finde mich in der Babysitterposition wieder. Mit dem richtigen Abstand und einem aufgesetzten Lächeln tanze ich so vor mich her und hoffe, dass meine Freundin sobald ihr Interesse an diesem Typen verliert und mich erlöst. Leider wurde ich nicht erhört und fange an mich mit Mr. Mysterious auf der Tanzfläche zu unterhalten. Schwerer Fehler. Erstens: Man heuchelt Interesse. Zweitens: Es kostet mehr Anstrengungen als einfach seine Klappe zu halten. Gefangen in einer Situation, für die ich noch selbst mit verantwortlich war, musste ich jetzt eine geraume Zeit überstehen. Neben uns fehlte nicht mehr viel zu einem Lapdance. Ich hob die gelbe Karte und gab zu verstehen, dass ich mehr als nur eine Pause brauche. Als wir kurz rausgehen wollen, folgt man uns auf Schritt und Tritt. „Ihr wollt doch wohl nicht einfach abhauen.“ Jungs, ja das seid ihr wirklich noch, wenn ihr solche schlimmen Befürchtungen habt. Die Ironie ist kaum überhörbar und sie gehen wieder rein. Ein kurzer Moment der Ruhe lässt mich aufatmen und gar nicht mitbekommen wie meine Freundin sich währenddessen an das nah stehende Auto lehnt und mich zu sich ruft. Sie fragt mich, wie es mir geht, ob alles klar wäre und ich bestätige ihr, dass alles passt. Im nächsten Augenblick fange ich ihren sexy Vamp-Blick auf und erwarte, dass sie mir mitteilt, was sie von diesem Typen auf der Tanzfläche hält. Anders als erwartet, schenkt sie diesem Thema kaum Beachtung. Stattdessen schaut sie mich weiter an und meint schließlich: „Du siehst so verdammt heiß aus.“ Die Katze fängt an zu miauen. Sie nimmt meine Hand und zieht mich zu sich heran…

Mit einem Ruck wache ich auf und frage mich, was da eigentlich gerade passiert ist.

Die Fäuste lockern

Wie kriegt man was man will? Man will es nicht! Man will es nicht? Naja, zumindest sagt man nicht, dass man es will. Oder so ähnlich. Hab ich erst kürzlich festgestellt. Und ich muss schon sagen, dass ich dachte, das würde nur in anderen Situationen funktionieren. Hiermit meine ich natürlich Dates. Man kriegt die Männer doch nur dazu, sich wiederzumelden, wenn man sich rar macht. Irgendwie weckt dieses Desinteresse in den Männern eine Art Unbehagen. Ich glaube, sie kommen nicht damit klar, wenn eine Frau ihnen nicht nachläuft. Dies gilt natürlich nur für die Frauen, die den Männern auch beim ersten Date schon auffallen und anmachen. Dazu braucht man als Frau nach meinem Verständnis nicht einmal viel, man muss weder einen Witzbold mimen noch eine Samantha aus Sex and the City sein. Intelligente Kommentare sind sowieso überbewertet und dabei beziehe ich mich auf die Regel. Es gibt natürlich auch Ausnahmen. Und alles was ich hier schreibe beruht auf eigenen Erfahrungen.

Das eine Mal konnte ich mich am nächsten Tag nicht mal mehr an seinen Namen erinnern, wobei das vielleicht nicht nur an ihm lag. Größtenteils aber schon. Vielleicht hat ein bisschen Rumknutschen seinen Teil getan, dass ich diesen Kerl ein halbes Jahr später erst wieder losgeworden bin. Ich versteh nicht, womit ich ihn in meinen Bann gezogen habe? Ich für meinen Teil würde ja schon nach dem ersten Mal ohne Antwort kapitulieren. Ich mach mich ja schließlich vor keinem Mann zum Affen!

Ein paar normalere Dates wiederholten sich auch nachdem ER sich bei mir gemeldet hat. Manchmal auch mehrmals nachgefragt hat. Und dabei saß ich nicht neben dem Telefon. Heute müsste man ja sowieso zu viele Kommunikationskanäle überwachen, dass man noch etwas vergessen könnte. Facebook, SMS, Skype, Whatsapp, Telefon usw. halten uns doch nun wirklich auf Dauer vom Leben ab. Und ja, ich weiß sie sollen uns das Leben erleichtern und die Kommunikation verbessern, aber vielmehr bestimmen sie unser Leben anstatt sich zu integrieren. Man muss ihnen so viel Aufmerksamkeit schenken als wären die Lebewesen, aber stattdessen brauchen wir heute einen verlängerten Arm, um unsere tatsächlichen Mitmenschen zu erreichen.

Aber zurück zum Thema. Wir warten. Aber natürlich nicht bewusst und nicht zu lange. Manchmal muss sich ja auch mehr entwickeln, manchmal kommt ja auch Interesse von unserer Seite und dann kann doch niemand nur abwarten. Manchmal muss man auch was wagen und Angst vor einem Korb bezeichnet sowieso eine Charakterschwäche. Wen hat das denn bisher umgebracht? Niemanden, genau! Also, liebe Frauen da draußen bewart Würde und wartet nicht auf ein Wunder.

Zurück zum Anfang, wie ich kürzlich feststellte, funktioniert Zurückhaltung auch in einer Beziehung. Aber bloß kein komplettes Desinteresse interpretieren, das ist vollkommen falsche und könnte womöglich falsche Absichten vermitteln. Einfach mal ein bisschen kürzer treten und auch noch andere Dinge vorhaben, bei denen er keine Rolle spielt. Und zusätzlich bleibt mal ein bisschen Zeit, die man nur mit sich selbst verbringt und einem sicher ganz viele Dinge einfallen, die man fast vergessen hätte, dass es sie noch gibt.

Und: Es wird nicht lange dauern, dass er daherkommt, einen ganz schrecklich vermisst und um Aufmerksamkeit buhlt. Was will man mehr!

Das Männernervthema

Was unterliegt wohl der kontinuierlichen Veränderung und plagt unser Selbsbewusstsein immer wieder aufs Neue? Nein, nicht Männer, sondern unser Gewicht! Zahlreiche Diäten, ich glaube, ich habe schon jede einmal begonnen oder wenigstens einen Gedanken an sie verschwendet. Meistens halte ich Diäten jedoch nicht lange durch. Nach weniger als einer Woche hat mich eine Heißhungerattacke schwach werden lassen. Aber wie soll das auch gehen, resistent zu bleiben, wenn sich die Gedanken unentwegt mit dieser Thematik auseinandersetzen. Was darf ich, was darf ich nicht essen? Gibt es denn keine Diät, bei der man sich nicht anstrengen muss und keine Psychose verursacht? Wenn ich manchmal so darüber nachdenke, fühle ich mich regelrecht bekloppt! Ich meine, ich bin in keinem Fall übergewichtig, mein BMI liegt irgendwo bei 20 und das bedeutet Normalgewicht. Wieso also nicht glücklich und zufrieden sein? Ja, das ist ne gute Frage…

Ich überlege mir ständig Gründe, weshalb wohl die meisten Frauen unglücklich mit ihrem Gewicht sind und Diäten halten. Es könnte daran liegen, dass sie sich ein Beispiel an den Modepüppchen auf den Laufstegen dieser Welt nehmen, all die Zeitschriften lesen, die im Wochentakt neue Diäten veröffentlichen oder einfach eine Antipathie gegenüber Kleidergrößen über 36 haben. Ja, das klingt alles nicht so recht logisch und vielleicht tragen auch die Männer einen erheblichen Teil zu unserem Leid bei. Denn vermitteln sie uns nicht oft genug, dass sie sich einen Victoria’s Secret Engel wünschen? Frauen mit Figuren, die ihnen scheinbar Gott gegeben sind oder Frauen, die nichts anderes tun, als ihren Körper in Form zu halten. Der bringt ihnen ja schließlich die nötige Rentenrücklage ein, wenn die Medizin und Sport dann doch nicht mehr nachhelfen können. Doch wir verdienen unser Geld zumeist mit geistiger Arbeit, sitzen oft den ganzen Tag im Office, arbeiten manchmal bis spät. Da bleibt häufig die Motivation auf der Strecke am Abend auch noch Sport machen zu gehen. Vielleicht benötigt man aber auch nur ein besseres Zeitmanagement. Jedenfalls nehme ich mir ständig vor, wieder ins Fitness Studio zu gehen, aber schiebe es dann doch nur weiter hinaus. Meinen Vertrag habe ich jetzt wenigstens schon gekündigt, sodass ich nicht noch länger umsonst zahle. Ich bedaure das sehr, auch wenn es hier wahrscheinlich nicht ausdrücklich herüberkommt. Letzte Woche habe ich dann doch einen Versuch gewagt. Mal außerhalb des Fitness Studios. Ich wollte eine Runde im Park joggen gehen und mich danach mit einem leckeren Frühstück belohnen. Leider habe ich nach nicht mal fünf (!) Minuten schon schlapp gemacht und das zeigt wohl ganz klar, dass meine Kondition total am Ende ist oder die fehlende Grundlage eines Frühstücks der Grund war. Zweiteres bezweifle ich aber. Wenn das mit dem Sport nicht klappt, dann eben die Diät. Aber dann ist die Männerwelt doch wieder gefrustet und macht uns klar, wie unattraktiv sie eine Frau finden, die an einem Zahnstocher knabbert oder sich von Watte ernährt. Ja, mal ehrlich, ihr erlaubt uns doch nicht mal, dass wir uns laut über tatsächliches Essen Gedanken machen. Das mündet doch in einen Teufelskreis.

Aus diesem Grund beinhaltet meine To-Do-Liste für 2012 und die Zukunft einen gesunden Mix aus Sport und bewusster Ernährung. Ich versuche mich daran zu halten. Keine rigorosen Diäten mehr probieren. Lieber immer mal wieder was gönnen und trotzdem bewusst essen und nebenher SPORT treiben. Ist ja auch bald Sommer und da ruft der Bikini allerdings noch zu gehässig. Jetzt gibt es aber erstmal eine Hand voll Gummibären, denn die enthalten so klitzekleine Glücklichmacher, fällt mir auf…

What are our future objectives?

“So what are your plans then after you finished your studies?” Gute Frage! Nicht, dass ich mir die nicht schon oft genug selbst gestellt und nach der Antwort gesucht habe. Immer häufiger kommen andere damit auf mich zu. Was antwortet man darauf? Vor allem wenn man immer noch so vollkommen ohne konkrete Vorstellungen, mit substanzlosen Träumen herumschwebt. Man versucht ganz diplomatisch zu antworten und versucht so präzise vorzugehen, dass man dem Anderen doch auch noch ein paar Argumente entlocken kann, die einen eventuell dichter zum Ziel bringen.
Heute hatte ich mal wieder eines dieser Gespräche und ich werde das Gefühl nicht los, dass mich jemand in eine Richtung gedrängt hat. Und das 100% zum Positiven! “You can look at all the opportunities you got and then start filtering. But that may take forever. You better get out there and make it happen right away. Don’t think to long rather make your decision on how you feel it is right in this moment. Then get engaged!” Und was das nun genau meint, bleibt meiner Umsetzung überlassen, aber mir gibt es zu verstehen, dass man etwas wagen sollte. Der Spielraum wird immer enger umso älter werden, aber jetzt können wir ungebunden wie wir sind noch die Welt erobern. Das war genau das Anschlussthema (auch häufiger in der Vergangenheit diskutiert): Raus in die Welt. Neue Kulturen und Sprachen kennenlernen. Neue Städte erleben. Vielleicht auch manchmal nostalgisch werden. Aber man wird ja auch nicht allein sein, auch wenn es eine weitere Herausforderung darstellt, der man sich stellen muss. Freunde bleiben Freunde auch wenn man das Land verlässt. Bei den Geliebten ist das eine weitaus schwierigere Frage. Natürlich wird es irgendwie gehen, aber wird es einen nicht immer wieder zurückhalten, sich auf Neues einzulassen?! Akzeptanz und Verständnis sind die einzigen Dinge, die man von diesen Personen verlangen kann. Egoismus ist das letzte, was man in dieser Situation gebrauchen kann und stellt auch die Beziehung in Frage.
Was habe ich nun daraus gezogen? Neugierde, Interesse und eine konkretere Vorstellung über dad was ich will.

“I spread my wings and learn how to fly…Make a wish, take a chance, make a change and break away.”

Wann ist der richtige Zeitpunkt…fürs Zusammenziehen? Ja genau, diese Frage beschäftigt mich seit einer Weile. Manchmal kann ich mir nichts besseres vorstellen und dann zweifel ich wieder daran das unsere Beziehung das überleben würde. Eine Fernbeziehung in der mindestens einer einen ortsunabhängigen Beraterjob hat, spricht doch dafür, dass es das Unkomplizierteste auf der Welt sein müsste. Der eine ist die ganze Woche unterwegs und man sieht sich höchstens am Wochenende, aber dann auch wirklich. Man könnte fast von einer Zweckgemeinschaft mit etlichen Vorteilen reden: Halbierte Miete, gemeinsame Haushaltskasse und genügend Zeit zum Alleinsein. Allerdings frage ich mich, ob das ausreicht oder ob es uns noch all die restlich Unabhängigkeit raubt, die wir in den getrennten Wohnräumen vermuten? Macht es wirklich einen so großen Unterschied, denselben Schlüssel bei sich zu tragen?
Mein Gefühl sagt mir immer dann, wenn ich ihn vermisse und er nicht bei mir ist, dass es doch alles viel unbeschwerter wäre. Man könnte sich jede Woche sehen ohne irgendwelchen Reisestress nach einer anstrengenden Woche. Auf der anderen Seite kommt dieses Gefühl und der Wunsch nach Ruhe und Alleinsein, wenn wir zu lange aufeinander hocken. Dann fängt jedes kleine Detail an aufzuregen. Das sagt doch alles oder nicht? Noch nicht bereit! Doch wie sieht das bei ihm aus? Man(n), schalte mal dein rationales Denken aus und höre auf deinen Bauch. Ich brauche wirklich kein Datum. Das bringt mich auf 180!